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04.10.2021

Auf einen Espresso mit Konstantin F. Ballek. Folge 2: Der „perfekte Arbeitgeber“

Nach wie vor wird der Neustart von Hotellerie und Gastronomie durch einen dramatischen Mitarbeitermangel ausgebremst. Angesichts dieser Problematik müssen Arbeitgeber im Gastgewerbe ihre Attraktivität verbessern und ihre Vorzüge stärker nach außen transportieren, um qualifiziertes Personal von sich zu überzeugen. Es gehe darum, ein System zu schaffen, von dem beide Seiten profitieren können, meint Konstantin F. Ballek. In der Interviewreihe von „Auf einen Espresso…“ skizziert der Senior Manager für Business Development & Marketing bei ETL den aus seiner Sicht „perfekten Arbeitgeber“ und schildert, worauf es für ihn nun im alltäglichen Miteinander innerhalb der Branche ankommt, um gemeinsam wieder durchzustarten.

 

In der letzten Folge haben wir bereits über den Neustart der Gastronomie nach dem sieben Monate andauernden Lockdown gesprochen. Einen Neustart, den unser Gast Erich Nagl als Reset statt Restart verstanden wissen wollte. Nun sind die Restaurants, Bars, Cafés und Hotels einige Monate wieder offen und man kann sagen, dass wir in die Phase der Normalisierung übergehen. Doch in Sachen Personalmangel hat sich die Lage keineswegs entspannt oder?

 

Nein, leider gar nicht. Der Personalmangel stellt für uns in der Hotellerie und Gastronomie – aber nicht nur in dieser Branche – nach wie vor eine große Belastung dar. Und das sieht man auch durch eigene Erfahrungen. Es gibt viele Kollegen, die nur noch die Hälfte der Woche ihr Geschäft aufmachen können, weil sie es sonst personell gar nicht gestemmt kriegen würden. Was schade ist!

 

„Corona ist nur ein Indikator, dass gewisse Prozesse seit Langem defizitär funktionieren“.

 

Nun sind die Personalsorgen in der Branche ja kein neues Phänomen. Vor zehn Jahren gab es doppelt so viele Auszubildende wie heutzutage. Es handelt sich also um ein langfristiges Problem. Woran liegt das? Ist die Ausbildung so schlecht, so hart oder so schlecht bezahlt?

 

Das hat viele Faktoren. Eine Anekdote zur Verdeutlichung: Ich habe vor zwölf Jahren meine Bachelorarbeit zusammen mit dem DEHOGA Berlin zusammen verfasst. Wir haben damals schon sechs Imagefilme für die sechs Ausbildungsberufe der Gastronomie produziert, um sie attraktiver zu machen. Das zeigt: Die Herausforderung, dass nicht genug Nachwuchs da ist und das Interesse an der Branche weiter schwindet, war schon immer da. Corona hat diese Tatsache einfach nur aufgedeckt und fungiert als Indikator dessen, dass gewisse Punkte in dem Bereich defizitär funktionieren.

 

Wie kann ich als Gastronom, der jetzt wieder durchstarten will, und dringend Personal sucht, in dieser verschärften Konkurrenzsituation um Mitarbeiter meine Benefits so herausstellen, dass Leute gar nicht anders können als sich auf eine Stelle bei mir zu bewerben?

 

Es geht ums Image. Das bedeutet, ein Gast schaut nicht nur auf Fotos und Speisekarten, sondern die Leute müssen ‚Bock‘ haben, bei dir zu arbeiten. Sie müssen sich wohlfühlen. Wie in jeder anderen Branche auch. Image ist ein duales System. Du musst dafür sorgen, dass dein Betrieb gut funktioniert und die Menschen Lust haben, zu dir zu kommen. Auf der anderen Seite brauchst du Leute die Lust haben, bei dir zu arbeiten.

Der springende Punkt ist, dass man als Arbeitgeber seinen HR-Prozess überdenken muss. Das beginnt beim Dienstplan schreiben. Der Mitarbeiter muss langfristig planen können. Diese Aufgabe tragen wir schon seit langer Zeit in unserer Branche mit herum. Die Customer Journey muss zu einer Human Ressource Journey weiterentwickelt werden. Denn nur, wenn ich meinem Mitarbeiter viel gebe, bekomme ich auch viel zurück.

 

„Wichtig ist zu übermitteln: Wer bin ich? Wo komme ich her? Worin liegt mein Mehrwert? Was suche ich eigentlich? Im Grunde ist das Business Speed-Dating!“

 

Es gibt mehrere Benefits, die Arbeitgeber anbieten können, um ihre Attraktivität zu steigern. Geht es da nur um Geld oder Freizeit, oder gibt es auch weitere Möglichkeiten, den eigenen Mitarbeitern das Arbeiten im Betrieb und darüber hinaus schmackhaft zu machen?

 

Aus meiner Sicht geht es nur um Respekt! Wir als Arbeitgeber müssen dafür Sorge tragen, Mitarbeitern den Respekt entgegenzubringen, den wir von ihnen erwarten. Denn sie alle repräsentieren meinen Betrieb nach außen. Erzählen sie im Privaten, dass es in meinem Laden nicht so cool ist, dann habe ich ein großes Imageproblem.

 

Mitarbeiter-Benefits zu haben ist das Eine. Doch wie bekommt man diese Leistungen so in eine Stellenanzeige verpackt, dass es potenzielle Bewerber anspricht und erreicht?

 

Eine Stellenausschreibung muss authentisch sein. Schon im Wording transportiert man seine Marke und signalisiert genau, wen man sucht. Umso besser die Ausschreibung ist und umso mehr Zeit man in sie investiert, desto besser sind die Bewerbungen, die man erhält. Wichtig ist zu übermitteln: Wer bin ich? Wo komme ich her? Worin liegt mein Mehrwert? Was suche ich eigentlich? Im Grunde ist das Business Speed-Dating!

 

„Für mich bedeutet ein perfekter Arbeitgeber, dass ein System geschaffen wird, von dem beide Seiten profitieren.“

 

Stichwort „perfekter Arbeitgeber“: Wie sieht denn für dich der perfekte Arbeitgeber aus?

 

Für mich bedeutet ein perfekter Arbeitgeber, dass ein System geschaffen wird, von dem beide Seiten profitieren. Bringst du als Arbeitgeber deinen Mitarbeitern viel bei, dann kann er auch mehr und wendet mehr an. Und das ist aus meiner Sicht der Best-Case: Ein Kreislauf, in dem alle voneinander lernen, sich etwas beibringen und gemeinsam besser werden. Ein guter Arbeitgeber ist also jemand, der sich darauf fokussiert, eine „eigene Welt“ zu schaffen, in der gemeinsam an etwas Tollem gearbeitet wird, anstatt nur Anweisungen zu geben, dem Mitarbeiter sein Gehalt zu überweisen und das war es dann.

 

Zum Abschluss noch eine These deinerseits: Wird die Arbeit in Gastronomie und Hotellerie jemals wieder so aussehen wie vor der Pandemie?

 

Gott sei Dank nicht! Sie wird sich auf jeden Fall verändern. Wir erleben das jetzt schon. Langsam, das erleben wir auch durch Feedback, entwickelt sich die Branche zu mehr Bodenständigkeit, Struktur und somit auch Größe. Und das ist der richtige Weg.

 

Hier geht es zum vollständigen Videointerview von „Auf einen Espresso mit Konstantin F. Ballek“:

Hier geht es zum Podcast:

 

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