Personalkosten steuern ohne Qualitätsverlust

Wir zeigen dir, worauf es zu achten gilt

Weiterlesen Den vollständigen Artikel direkt hier öffnen.

Verpasse keine News mehr

Du willst keine News mehr verpassen und Sie bequem auf dein Smartphone bekommen? Dann melde dich zu unseren ETL ADHOGA News an.
Seite für Anmeldung im Browser öffnen
Weitere interessante Artikel
Neue Mehrwertsteuer auf Speisen
Die neue Mehrwertsteuer auf Speisen gilt seit einigen Monaten. Passen dein Konzept und deine Strategie...
Betreiberwechsel ohne Umsatzsteuerfalle
Wenn Standorte neu vergeben oder Betreiber ausgetauscht werden, stellt sich schnell eine zentrale umsatzsteuerliche...
Bundesregierung beschließt Entwurf eines Steueränderungsgesetzes 2025
Am 10. September 2025 hat die Bundesregierung den Entwurf für ein neues Steueränderungsgesetz beschlossen....

Personalkosten steuern ohne Qualitätsverlust

Wir zeigen dir, worauf es zu achten gilt
Blog
30.04.2026

Personalkosten steuern ohne Qualitätsverlust

Wir zeigen dir, worauf es zu achten gilt

Durch die Erhöhung des Mindestlohns 2026 zahlst du für jede Stunde im Service deutlich mehr. Für 2027 wurde ebenfalls eine Steigerung beschlossen. Du musst deine Personalkosten aktiv steuern, sonst frisst dich die Lohnentwicklung auf.

Was der Mindestlohn real kostet
Seit 1. Januar 2026 liegt der Mindestlohn bei 13,90 Euro, ab 1. Januar 2027 bei 14,60 Euro. In der Gastro mit 35 – 40 Prozent Personalkostenanteil ist das enorm. Ein Beispiel verdeutlicht den Anstieg in konkreten Zahlen:

  • Bruttolohn: 160 Stunden × 13,90 Euro = 2.224 Euro
  • Lohnnebenkosten (ca. 21 Prozent): 467 Euro
  • Arbeitgeberkosten: 2.691 Euro pro Monat / 16,82 Euro pro Stunde
  • Mehrkosten gegenüber 2025: +209 Euro pro Monat (+8,4 Prozent)

Der Kaskadeneffekt
Viele Gastronomen unterschätzen die wahren Kosten der Mindestlohnerhöhung. Der Effekt betrifft nicht nur Mindestlohnkräfte, sondern alle Lohnebenen. Mitarbeitende, die bisher knapp über Mindestlohn lagen, erwarten, dass dieser Abstand in etwa erhalten bleibt. Das gilt erst recht für Schichtleitungen und erfahrene Fachkräfte. Diese wollen ihre Expertise und Erfahrung entsprechend vergütet sehen und im Vergleich nicht abrutschen. Gehst du nicht auf die Bedürfnisse ein, kann sich schnell Enttäuschung breitmachen und im Worst Case verlierst du wertvolles Personal.

Beispielrechnung: Der wahre Kostenanstieg
Gehen wir von zehn Mitarbeitenden in vier Funktionen aus und ziehen den Vergleich zu 2025. Es gibt drei Aushilfen im Mindestlohn, die 2025 bei 12,82 Euro lagen und 2026 auf 13,90 Euro steigen. Das entspricht einer Erhöhung von 8,4 Prozent. Dazu kommen vier Servicekräfte mit wenig Erfahrung, die von 14,50 Euro auf 15,70 Euro hochgehen, also plus 8,3 Prozent. Zwei Schichtleiter:innen mit Erfahrung erhöhen sich von 16,50 Euro auf 17,85 Euro, was einem Anstieg von 8,2 Prozent entspricht. Zwei Köch:innen mit Erfahrung steigen von 19,00 Euro auf 20,50 Euro und damit um 7,9 Prozent.

Bei durchschnittlich 160 Stunden pro Mitarbeiter:in und Monat steigen in diesem Beispiel die Bruttolohnkosten von 26.793 Euro auf 28.992 Euro pro Monat. Nur auf Basis der Bruttolöhne sind das 2.198 Euro Mehrkosten pro Monat. Dazu kommen noch rund 21 Prozent Lohnnebenkosten obendrauf. Die Entwicklung ist damit aber nicht abgeschlossen. Zum 1. Januar 2027 steigt der gesetzliche Mindestlohn von 13,90 Euro auf 14,60 Euro. In der Kombination beider Stufen bedeutet das für einen kleinen Betrieb dieser Größenordnung schnell über 50.000 Euro zusätzliche Personalkosten innerhalb von zwei Jahren. In mittelständischen Betrieben mit 50 oder mehr Mitarbeiter:innen kann sich dies auf etwa 250.000 Euro oder mehr summieren. Mit diesem Wissen hast du eine Arbeitsgrundlage für alle weiteren Maßnahmen.

Warum du den Abstand wahren musst
Unterschätze nicht den psychologischen Effekt! Der Abstand zum Mindestlohn ist kein „Nice-to-have“, sondern ein harter Faktor für Motivation und Bindung. Eine Servicekraft, die jahrelang rund 2 Euro über Mindestlohn lag, erwartet, dass dieser Abstand auch nach der Erhöhung ungefähr bestehen bleibt. Wenn du das ignorierst, sinkt die Bindung deiner erfahrenen Leute, Fluktuation und Rekrutierungsprobleme nehmen zu und damit am Ende die Servicequalität im Betrieb. Ist die Stimmung im Team schlecht, bleibt dies auch deinen Gästen nicht verborgen.

Lege für jede Beschäftigung (Aushilfe, Service, Schichtleitung, Küche) einen Zielabstand zum Mindestlohn in Euro fest. Orientiere dich dabei am Abstand aus 2025. Rechne die neuen Löhne durch, indem du diesen Abstand beibehältst. Ermittle daraus die neue monatliche und jährliche Bruttolohnsumme pro Kopf und insgesamt inklusive Nebenkosten. Plane also aktiv im Schnitt mit 8 – 8,5 Prozent höheren Personalkosten über alle Gehaltsgruppen.

Pro Mitarbeiter:in im Mindestlohn zahlst du 2.508 Euro mehr pro Jahr als 2025. Mit Kaskadeneffekt auf die höheren Lohnebenen kommst du bei zehn Mitarbeiter:innen aus unserem Beispiel auf 28.884 Euro zusätzliche Personalkosten. Das entspricht ca. 8,3 Prozent Plus über das gesamte Team. Genau auf diese Größenordnung musst du deine weiteren Maßnahmen ausrichten. Wir helfen dir mit konkreten Tipps, wie du alle Lohngruppen einbeziehst.

Variante 1: Stunden reduzieren statt Lohnsumme erhöhen

Das Ziel dieser Variante ist, den Stundenlohn rechnerisch zu erhöhen, ohne dass deine gesamte Lohnsumme steigt. Ausgangspunkt ist zum Beispiel ein Mitarbeiter mit 40 Stunden pro Woche und 3.000 Euro brutto im Monat. Soll der Stundenlohn um 8,4 Prozent steigen, ohne das Monatsgehalt zu erhöhen, reduzierst du die Arbeitszeit: 40 Stunden geteilt durch 1,084 ergeben rund 36,9 Stunden pro Woche. In der Umsetzung berechnest du für alle betroffenen Mitarbeiter die neue Wochenstundenzahl, indem du die bisherigen Stunden jeweils durch 1,084 teilst. Anschließend rundest du auf praktikable Schichtmodelle, etwa von 36,9 auf 37 Stunden und passt die Arbeitsverträge sowie Dienstpläne entsprechend an.

Du musst nun planen, wie du die fehlenden Stunden kompensierst. Dafür kannst du verschieden Hebel nutzen, wie z.B. gestraffte Öffnungszeiten, zusätzliche Ruhetage oder eine Schichtplanung, die sich konsequent an der tatsächlichen Auslastung orientiert. Diese Variante solltest du nur einsetzen, wenn du die reduzierte Arbeitszeit organisatorisch auffangen kannst, ohne Service oder Küche zu überlasten.

Variante 2: Produktivität je Stunde erhöhen

Wenn du die Löhne anhebst und Stunden nicht kürzen willst, musst du die Produktivität pro Stunde verbessern. Dafür gibt es drei Strategien.

Strategie A: Dienstplan nach Auslastung statt immer volle Besetzung

Sollen die Löhne steigen, ohne die Arbeitszeit zu kürzen, musst du die Produktivität je Stunde erhöhen. Die Grundlage dafür ist eine Dienstplanung, die sich konsequent an der tatsächlichen Auslastung orientiert statt an festen Standardbesetzungen. Dafür wertest du mindestens für vier Wochen die Umsatzzahlen nach Uhrzeit und Wochentag aus. Du markierst Zeitfenster mit hohen, mittleren und niedrigen Umsätzen und legst für jedes Zeitfenster eine klare Mindestbesetzung fest. Anschließend planst du dein Personal so, dass die Hauptzeiten bewusst stärker besetzt sind, während Randzeiten schlank laufen.

Ein mögliches Modell:

Statt pauschal 6 Servicekräfte von 11 bis 23 Uhr einzuplanen, arbeitest du mit 3 Kräften von 11 bis 15 Uhr, 6 Kräften in der Hauptzeit von 18 bis 22 Uhr und 2 Kräften von 22 bis 23 Uhr. So reduzierst du die eingesetzten Service-Stunden um rund 10 – 15 Prozent, ohne das Servicelevel in den starken Phasen zu senken. Bei jährlichen Personalkosten von 150.000 Euro im Servicebereich ergibt das eine Entlastung von etwa 15.000 bis 22.500 Euro pro Jahr.

Strategie B: Multiskilling einführen

Bei dieser Strategie ist das Ziel klar: Du willst die Leerlaufzeiten reduzieren und die Flexibilität im Team erhöhen. Zuerst legst du fest, welche Zusatzkompetenzen jede Rolle aufbauen soll – etwa Servicekräfte mit Basiskenntnissen an der Bar oder Köche, die neben der Haupttätigkeit auch Spül- und Vorbereitungsaufgaben übernehmen.

Anschließend planst du pro Mitarbeiter rund 40 Schulungsstunden im Jahr ein. Bei einem Ansatz von 20 Euro pro Schulungsstunde entspricht das etwa 800 Euro Weiterbildungskosten pro Kopf.

Diese Trainings können intern oder extern stattfinden. Wichtig sind klare Lernziele und ein regelmäßiger Einsatz der neuen Fähigkeiten im Alltag. Im Gegenzug solltest du weniger Wartezeiten zwischen Aufgaben, weniger „Herumstehen ohne Auftrag“ und einen deutlich flexibleren Einsatz in Peakzeiten erwarten. Steigt durch Multiskilling die produktive Arbeitszeit pro Mitarbeiter um lediglich 10 Prozent, ergibt sich bei einem Team von 10 Personen ein finanzieller Effekt von mehreren tausend Euro pro Jahr, nur durch besser genutzte Arbeitszeit.

Strategie C: Digitale Prozesse konsequent einführen

Setze digitale Tools gezielt dort ein, wo sie unmittelbar Zeit sparen oder Fehler reduzieren. Ein QR-Code-Bestell- und Bezahlsystem lohnt sich vor allem in Bereichen mit vielen Laufwegen. Gäste bestellen und zahlen direkt am Tisch, du reduzierst Gangzeiten und eine Servicekraft kann mehr Tische parallel betreuen. Mit einer Dienstplan-Software sparst du mindestens zwei Stunden Büroarbeit pro Woche und kannst Schichten schneller an Auslastungsspitzen anpassen. Eine automatisierte Warenbestellung, die bei Mindestbeständen Bestellvorschläge oder Bestellungen auslöst, nimmt dir rund drei Stunden Organisationsaufwand pro Woche und senkt das Risiko von Fehl- und Doppelbestellungen.

Wenn es dein Grundriss hergibt, können Serviceroboter die Wege zwischen Gastraum und Spülküche übernehmen und so dein Team auf der Fläche entlasten. Ein digitales Kreditorenmanagement mit automatischer Belegerfassung und Preisprüfung reduziert Papieraufwand und Fehler in der Eingangsrechnungsverarbeitung deutlich. Ergänzend hilft dir ein Controlling-Dashboard mit Kennzahlen wie Umsatz pro Stunde, Personalkostenquote und Deckungsbeitrag pro Schicht, Steuerungsentscheidungen schneller und datenbasiert zu treffen.

Gehe dabei strukturiert vor: Wähle zunächst zwei bis drei Tools aus, die für deinen Betrieb den größten Hebel versprechen, lege einen klaren Einführungstermin fest und bestimme im Team verantwortliche Personen. Nach etwa drei Monaten solltest du prüfen, wie viele Stunden Verwaltungsaufwand und Servicewege tatsächlich weggefallen sind und ob die erwarteten Entlastungen bei Kosten und Abläufen eingetreten sind.

Dein Plan für Mai 2026

Egal welche Variante/Strategie du fahren möchtest, du beginnst damit, eine saubere Lohnkosten-Bilanz zu erstellen. Setze dafür die Bruttolöhne und Lohnnebenkosten 2025 den Werten für 2026 gegenüber und berechne die Summen pro Monat und Jahr. Erfasse dabei den Kaskadeneffekt explizit in Prozent und Euro, damit du einen Überblick hast, wie stark die gesamte Lohnsumme über alle Gehaltsgruppen tatsächlich steigen würde. Im nächsten Schritt legst du eine klare Zielgröße fest: Wie viel dieser Mehrkosten musst oder willst du kompensieren. Das ist die Grundlage für deine weiteren Maßnahmen. Diese hängen von der Variante/Strategie ab, die du wählst.

Berechne nach der Formel aus Variante 1 die Stunden neu und passe die Arbeitsverträge und Dienstpläne an. Erstelle einen Stunden- und Dienstplancheck. Analysiere, in welchen Zeitfenstern Personal unproduktiv ist, und streiche oder verlagere Stunden gezielt dorthin, wo Umsatz entsteht. Parallel startest du konkrete Produktivitätsmaßnahmen.