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Das bringt die neue EU-Gutscheinrichtlinie - Vorsicht bei Einzweckgutscheinen!

Gastronomen, die Gutscheine gegen Bezahlung ausgegeben, haben sicherlich schon davon gehört, dass es seit Jah­resbeginn neue steuerliche Vorgaben in Form der sogenannten EU-Gutschein-Richtlinie für den Verkauf von Gutschei­nen gibt. Eines vorweg: Preisnachlässe und Rabattgutscheine sind von der Än­derung nicht betroffen. Es geht vielmehr um Gutscheine, die gegen Bezahlung ausgegeben werden. Hier ist nun zwi­schen Einzweck- oder Mehrzweckgut­scheinen zu unterscheiden.

Bei einem Mehrzweckgutschein ist der Ort der Leistung oder der Umsatzsteu­ersatz im Vorfeld noch unklar, wie beispielsweise bei einer Guthabenkarte eines Restaurants, bei der das Guthaben auch für Speisenlieferungen außer Haus oder möglicherweise sogar im Ausland eingesetzt werden kann. Bei Einzweck­gutscheinen steht der Ort der Leistung und der Umsatzsteuersatz jedoch von vornherein fest. Dies ist beispielsweise bei einem Gutschein über ein bestimmtes Menü in der Gaststätte der Fall.

Neu ist jedoch, dass durch die EU-Gut­schein-Richtlinie umsatzsteuerlich nun­mehr fingiert wird, dass bereits die Ausgabe eines Einzweckgutscheins ei­nen Umsatz darstellt. Bezüglich der Um­satzsteuerzahlungen des Hoteliers oder Gastwirts ändert sich dadurch zwar im Grunde kaum etwas, weil Anzahlungen in der Regel schon immer spätestens mit Erhalt der Zahlung besteuert wurden. Doch ertragsteuerlich sieht das schon anders aus. Bei kleineren Gaststätten, die ihren Gewinn durch die sogenann­te Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln, ist die Bareinnahme oder auch die Gutschrift auf dem Bankkonto für die Ausstellung eines Gutscheins zwar seit jeher und unverändert als Betriebs­einnahme zu erfassen. Wenn die Gast­stätte jedoch bilanziert und Jahresab­schlüsse erstellt, ist fraglich, ob der durch die neue EU-Richtlinie umsatzsteuerlich fingierte Umsatz auch dazu führt, dass der ertragsteuerliche Gewinn bereits mit der Ausgabe des Einzweckgutscheins besteuert werden müsste.

Genau genommen wäre dann zunächst eine Rückstellung in Höhe der zu erwar­tenden Kosten zu bilden. Dabei wäre aus der Erfahrung heraus zu berücksich­tigen, dass in der Vergangenheit Gut­scheine teilweise nicht eingelöst wur­den. Für diese Gutscheine, die aller Voraussicht nach nicht eingelöst wer­den, dürften dann auch keine Rückstel­lungen gebildet werden. Das Ganze ist dann im Grunde vergleichbar mit einer Pauschalrückstellung auf Forderungen oder mit Garantierückstellungen, bei denen unklar ist, in welcher Höhe spä­ter tatsächlich Kosten anfallen. Im Er­gebnis würde durch die Rückstellung nicht der gesamte Umsatzerlös als Ge­winn besteuert, sondern nur der zu erwartende Gewinn.

Allerdings würde dieses Vorgehen das kaufmännische Vorsichtsprinzip durch­brechen. Denn danach darf ein Gewinn erst zu dem Zeitpunkt als realisiert er­fasst werden, zu dem auch die Leistung vollständig erbracht wurde. Das Ausstel­len eines Stück Papiers mit der Aufschrift Gutschein dürfte eher nicht als Leis­tungserbringung angesehen werden. Allerdings sind die Meinungen der Be­rater hier durchaus unterschiedlich. Wie dies zutreffend zu beurteilen ist, muss sich in der kommenden Zeit erst noch durch Rechtsprechung und Verwaltungs­auffassung herausbilden.

Fazit: Wer nur Mehrzweckgutscheine ausstellt, dürfte auf der sicheren Seite sein. Wer jedoch Einzweckgutscheine ausstellt, sollte möglichst zeitnah sei­nen steuerlichen Berater kontaktieren, um zu besprechen, wie solche Gutschei­ne im Jahresabschluss berücksichtigt werden sollen. Sofern Einzweckgutschei­ne wunschgemäß prospektiv erfolgswirk­sam erfasst werden sollen, muss dabei bedacht werden, dass sich dadurch auch die Ertragsteuerzahlungen vorverlagern, was sich negativ auf die Liquidität aus­wirkt. Vorsichtige Gastronomen, bei denen die Ausgabe von Gutscheinen gegen Bezahlung einen beachtlichen Teil des Umsatzes ausmacht, könnten dann sogar über eine Anpassung der Steu­ervorauszahlungen nachdenken, um die Steuernachzahlungen im überschauba­ren Bereich zu halten. Wir würden zunächst jedoch empfeh­len, gelassen zu reagieren, die weitere Diskussion abzuwarten und in der Li­quiditätsplanung lediglich zu berücksich­tigen, dass die Gewerbesteuer- sowie Einkommensteuer- bzw. Körperschafts­teuerzahlungen für im Jahr 2019 aus­gegebene Einzweckgutscheine gegeben­enfalls früher anfallen könnten, als ent­sprechende Gutscheine des Vorjahres. Denn in der Regel wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird!

Steuerberater

Andreas Freiheit

Dipl.-Finanzwirt

Andreas Freiheit

Andreas Freiheit ist spezialisiert auf die Beratung von Hoteliers und Gastronomen bei der

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