Mindestlohn steigt 2019 erneut an

Mini-Job-Verträge müssen überprüft werden

 

Zum 1. Januar 2019 wird der gesetzliche Mindestlohn erneut angehoben: von 8,84 Euro auf 9,19 Euro brutto je Arbeitsstunde. Auch Überstunden sind mit dem dann höheren Mindestlohn zu vergüten oder durch Freizeit auszugleichen. Tarifgebundene Unternehmen haben natürlich die für die jeweilige Branche geltenden höheren Mindestlöhne zu zahlen.

Monatslöhne sollten überprüft werden

Für Arbeitgeber, die monatlich feste Bruttolöhne auf Basis des Mindestlohns zahlen, besteht Handlungsbedarf. Ab dem 1. Januar 2019 muss sich ein Mindeststundenlohn in Höhe von 9,19 Euro ergeben, wenn das monatliche Entgelt durch die Zahl der regelmäßig zu arbeitenden Stunden geteilt wird. Bei einer Arbeitswoche mit 40 Stunden müssen damit mindestens 1.592,93 Euro brutto gezahlt werden (9,19 Euro x 40 Stunden x 52 Wochen / 12 Monate). In Monaten mit 23 Arbeitstagen würde der Mindestlohn so aber unterschritten. Das kann zwar nicht passieren, wenn jeder Monat mit 23 Tagen abgerechnet und 1.690,96 Euro gezahlt werden. Es ist aber für den Arbeitgeber auch am teuersten. Aufwendiger ist, die exakt geleisteten Stunden mit dem Mindestlohn abzurechnen, Arbeitszeitkonten zu führen oder Arbeitszeitkorridore zu vereinbaren. Lassen Sie sich hierbei arbeitsrechtlich beraten. Die ETL Rechtsanwälte unterstützen Sie gern.

Geringfügigkeitsgrenze bei Mini-Jobs beachten

Bei Mini-Jobs kann die Anhebung des Mindestlohns gravierende Folgen haben, wenn dadurch die Mini-Job-Grenze von 450 Euro überschritten wird. In diesem Fall sollte vorab sollte eine Änderungsvereinbarung abgeschlossen werden, beispielsweise um den Stundenlohn auf 9,19 Euro brutto zu erhöhen und die Arbeitszeit entsprechend zu reduzieren.

Beispiel

Ein von der Rentenversicherungspflicht befreiter Mini-Jobber wird im Jahr 2018 für 50 Stunden pro Monat beschäftigt und erhält eine Vergütung von 442 Euro (8,84 Euro brutto pro Stunde). Ab Januar 2019 hat er einen gesetzlichen Anspruch auf 9,19 Euro. Der Arbeitsvertrag wird nicht geändert.

Variante 1: Der Arbeitgeber zahlt den höheren Mindestlohn von 459,50 Euro. Damit wird die Geringfügigkeitsgrenze überschritten und der Mini-Jobber wird zum sozialversicherungspflichtigen Midi-Jobber. Im Portemonnaie des Arbeitnehmers landen nicht mehr 442 Euro, sondern nur noch 411 Euro.

Variante 2: Der Arbeitgeber zahlt weiterhin 442 Euro. Damit verstößt er nicht nur gegen das Mindestlohngesetz, sondern auch gegen sozialrechtliche Vorschriften, denn Sozialversicherungsbeiträge fallen auf das Entgelt an, welches der Arbeitgeber zahlen müsste (sogenannter Phantomlohn, in unserem Fall in Höhe von 459,50 Euro).

Erneute Mindestlohnanhebung in 2020

Ab dem 1. Januar 2020 sind mindestens 9,35 Euro brutto je Arbeitsstunde zu zahlen. Arbeitgeber, die Mini-Jobber neu einstellen oder Verträge zum 1. Januar 2019 anpassen müssen, sollten vorausplanen und maximal 48 Stunden pro Monat vereinbaren. Damit ersparen sie sich eine erneute Vertragsanpassung für 2020. Denn bei einer monatlichen Arbeitszeit von 48 Stunden wird die Geringfügigkeitsgrenze von 450 Euro (48 Stunden x 9,35 Euro = 448,80 Euro) auch 2020 nicht überschritten.

Hinweis

Auch ohne Anpassung des Arbeitsvertrages besteht ein Anspruch auf Zahlung des höheren gesetzlichen Mindestlohnes.

(Stand: 07.12.2018)

 

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